Aus einer vergangen Zeit aber nicht vergessen...2008

 

Vom loslassen und ganz so nebenbei Glücklich sein...

 

Ich will nicht bei dir klingeln – und ich tu es doch
Ich will nicht an dich denken – und ich tu es immer noch
Ich will nicht von dir reden – vom sehen ganz zu schweigen
Schäm dich was, dass du dich immer noch in meine Gedanken schleichst*

Höre ich aus einen Song von Phillip Poisel aus den Autolautsprechern.
Es dämmert und ich sehe die mittlerweile tief liegende Sonne teils von der linken Seite durch die Blätter der Bäume blitzen.
Gefühlte 150, aber wahre 80 km/h fahre ich.
Ich liebe diese Strecke.
Links und rechts Wald – teils unterbrochen von einem Feld. Die Chance der Sonne mich zu blenden.
Ich fühl mich wohl – und plötzlich werde ich wehmütig.
Denke an eine Zeit die noch gar nicht so lange vorbei ist, sie mir aber wie eine Ewigkeit erscheint.
Ja – schäm dich was – denke ich.

*Gefühle treten ohne Vorwarnung auf.
Es spielt keine Rolle wie oft du dir eine neue Frisur zulegst oder ins Fitness Studio gehst, oder dich mit Freunden triffst. Du legst Dich jeden Abend schlafen und gehst jedes kleinste Detail durch, und fragst dich wie du das falsch einschätzen konntest.
Irgendwann bricht man zu neuen Ufern auf. Begegnet anderen Menschen. All die kleinen verstreuten Teile Deiner Seele kehren langsam wieder zurück und das oberflächliche Zeug, geraten langsam in Vergessenheit.*

Das sind Worte aus einem Film – die mich berührt haben und jaaa – sie erscheinen maßgeschneidert und ich ziehe sie mir wie ein paar Schuhe an.
Vor wenigen Monaten kannte ich meinen Weg nicht.
Jetzt hier – habe ich ein klares Ziel!
Phillip Poisel trällert immer noch. Ich höre wie er mit dem Auto durch die Nacht fährt. Er singt von Lichtern an denen er vorbeirauscht. Seine Partnerin schlafend neben ihm liegt.
Ich mag die Melodie seiner Lieder. Leicht – irgendwie einfach – leicht berührend, so als wenn der einzelne Song einen nur kurz streift um im selben Moment sich wieder zu verflüchtigen.

Auch wenn einen immer wieder die Erinnerungen einholen, darf man nicht stehen bleiben.
Das was einem selbst als etwas Großes erschien – ob als Last oder etwas Großartigem, ist in Augen anderer Nichts.
Das Leben um einen rum, läuft weiter. Unaufhaltsam ohne Rücksicht, ob man nun dort sitzt und wartet, oder aber sich der Stagnierung auflehnt und aktiv wird – weitergeht.
Das fahren im Auto in solchen Augenblicken einem Sinnbild gleichkommt. Der Song auf der CD es nochmals bestätigt.

Ich bin fast dort, wo ich verabredet bin. Suche noch die Hausnummer und sehe hinter mir einen PKW der ziemlich drängelt.
Die Straße ist eng. Ich biege ab und sehe eine Parklücke.
Zum stehen gekommen – den Motor ausgeschaltet, höre ich immer noch Phillip Poisel.
Ich wähle noch einmal den ersten Song von ihm.
Mein Parfum steigt an mir hoch. Ich schau vor mir in ein Fenster eines Schuhgeschäftes, das Schuhe für die Konservativere Kundschaft verkauft.

Ja – schäm Dich was!
Ich löse den Schlüssel vom Schloss des Autos und kappe somit den Song und die Gedanken.
Ich werde noch genügend Zeit darüber nachdenken.
Aber nicht jetzt - nicht hier.
Vielleicht irgendwann mal wieder.

 

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